Nemo News

März 2018

=Prinzip Hoffnung

Der Wille allein ist meist der Schlüssel dazu, seine Träume zu verwirklichen!

Die ganze Zeit, dass ganze Geld, die ganze Haut, die man investiert und nicht zu vergessen die ganze Kletterschuhsohle die bei jedem Versuch weniger wird sind Gründe alles zu geben.

Anfang Winter 2017/18 motivierten mich die Videos von Barbara Zangerl, Jacopo Larcher und Beat Kammerlander dazu, mir die Route mal im Toprope anzusehen. Aus irgendeinem Grund zog es mich dann zuerst an die eingebohrte Bürserplatten Route „Drei Siebe“. Anfang Februar als ich „Drei Siebe“ geklettert war, fing ich dann mit dem Projektieren der Route Prinzip Hoffnung an. Anfangs hätte ich mir nie einen Vorstiegsversuch zugetraut. Geschworen habe ich mir zu Beginn, die Route 20 Mal im Toprope durchzusteigen, bevor ich clean einsteige.

Für die, die es nicht wissen, „clean klettern“ bedeutet klettern ohne Bohrhaken oder Schlaghaken nur mit mobilen Sicherungsmitteln wie zum Beispiel Friends und Klemmkeile. Diese werden während des Kletterns vom Kletterer selbst in Rissen platziert.

Bei den ersten Versuchen konnte ich die Schlüsselstelle nicht ansatzweise klettern, daraufhin wechselte ich den Schuh und sieh da, konnte ich die Schlüsselstelle einigermaßen klettern. Von Versuch zu Versuch optimierte ich die Bewegungen und schlussendlich gelang es mir die Route im Toprope durchzusteigen. Dann fing ich an, mich mit den Friends und Keilen auseinander zu setzen. Ich kaufte alles ein. Noch zwei Mal war ich alleine in der Wand und schaute mir das Setzen der Sicherungen genau an.

Am Freitag, den 23.03.2018, fuhr ich nach der Schule mit meinem treuen Kletterpartner Matteo zur Route. Unentschlossen, nervös und zugleich ängstlich beschloss ich, nicht gleich einzusteigen. Ich kletterte die Route noch einmal im Toprope mit Legen aller Sicherungen. Ich flog nach der Schlüsselstelle, fühlte mich aber sehr fit und mental bereit, meinen ersten Clean-Versuch zu wagen und somit meine allererste Clean-Klettererfahrung zu sammeln. Bis zur Schlüsselstelle blieb ich überraschend ruhig, ich überkletterte die gefährlichen Stellen ohne Angst oder Ähnliches. Doch beim Legen der letzten Keile vor der Schlüsselstelle, fing mein linker Fuß ungut an zu zittern. Ich schaffte es trotzdem die beiden Mikrokeile halbwegs sicher zu legen. Ich zog einen Griff weiter, fand für Rechts den richtigen Tritt nicht und dann stieg ich einfach nur Reibung. Als ich dann den linken Fuß höher stellen wollte, rutschte mein Rechter ab und ich flog das erste Mal in mobile Sicherungsgeräte. Es fühlte sich im erste Moment so an als wären die Keile rausgesprungen doch als ich weich im Seil landete war ich so glücklich wie schon lange nicht mehr.

Zwei Tage später fuhr ich wieder mit Matteo und Angi der Kamerafrau zur Bürserplatte. Ich hatte das Gefühl, dass es ein Durchstieg wird. Doch die Temperaturen an der Platte waren zu warm und durch die Zeitumstellung kam der Schatten erst eine Stunde später in die Wand. Ich fing gar nicht an zu klettern. Wir gingen in die Klimmerei (Boulderhalle Bürs) um dort auf den Schatten zu warten und ein wenig aufzuwärmen. Als wir dann später zur Route liefen war ich schon leicht müde und nicht mehr sehr motiviert. Schon von unten an vertraute ich den Tritten nicht, meine Unterarme wurden schnell gepumpt und ich musste in der Schlüsselstelle beim Legen der Mikrokeile aufgeben.

Nochmal zwei Tage später, nach einer dreistündigen Klimmerei-Session, zog es mich am späten Nachmittag wieder in die Route. Ich kletterte die Route nochmal im Toprope und schaffte es dann im Vorstiegsversuch zu den letzten Zügen in der Schlüsselstelle, flog dann sehr ungewollt durch ein Abrutschen meines rechten Fußes. Jeder Sturz motivierte mich mehr und ich hatte immer mehr Vertrauen in diese Mikrokeile bei der Schlüsselstelle.

Am Freitagmorgen den 30.03.2018 fuhr ich um 7:21 mit dem Zug nach Bludenz. Tobi holte mich mit dem Auto beim Bahnhof ab wir fuhren zur Platte und ich stieg ein. Da das Wetter die Tage davor nicht besonders gut war waren die Griffe bei den ersten 15Meter leicht feucht. Jeder Meter den ich höher Kletterte wurde es besser. Ich kam in den Kletterflow und kletterte bis zur Schlüsselstelle. Ich legte den ersten Mikrokeil ohne Zittern. Doch weg blieb es nicht, beim Legen des zweiten Keiles fing mein linker Fuß stark an und mir fiel der Mikrokeil fast aus der Hand. Als ich ihn gelegt und mein Seil eingehängt hatte, kletterte ich schnell weiter, denn dann hörte mein linker Fuß schlagartig auf zu zittern. Ich wusste - so weit war ich letztens schon, jetzt darf mir nur kein Fuß gehen - und ich schaffte es! Nach der Schlüsselstelle kommt noch circa ein zehn Meter langer Riss bis zum Top, wobei für mich nochmal zwei Züge dabei sind, die ich klein ansteige, das kann ich nicht zu 100 Prozent sicher klettern. An diesem Tag um 8:39 in der Früh klippte ich - überglücklich und stolz zugleich - die Topschlinge der Route „Prinzip Hoffnung“ (8B/+; E9/10).

Jänner 2018

=Drei Siebe=

Vier Tage Lösungssuche und dann kam der überraschende Durchstieg am fünften Tag. 

Die Schlüsselstelle hatte ich schnell drauf nur die Züge vor der eigentlichen crux waren mir am vierten Tag immer noch ein großes Rätsel.  An dieser Stelle hat man einfach keinen einzigen Tritt.  Ich machte ein paar Ticks, die nur eine ganz leichte Wölbung in der Wand kennzeichneten => diese Ticks dienten der möglichen Trittkennzeichnung, das half psychisch sehr viel... ich hab immerhin gedacht, dass da was zum Steigen ist. Ich kam schnell in den Kletterflow und schaffte es, meine Finger warm zu kriegen trotz null Grad oder vielleicht minus Graden an diesem Tag. Als ich diese Stelle grandios überwältigte kam ich zur Schlüsselstelle. Mir fiel auf: Der letzte Zug der Schlüsselstelle hat 2 Lösungen, auf beide Arten konnte ich es klettern. Die eine war extrem kleingriffig und bei der anderen machte ich einen koordinativen zugleich dynamischen Zug. Wart mal - koordinativer & dynamischer Zug in der Platte, beim Seilklettern? -  ich weiß, schwer vorzustellen. Ich erkläre ihn kurz, denn es ist nun auch mein Lieblingszug von der ganzen Route. Also stell dir vor, du hältst mit Rechts eine kleine Leiste und siehst links einen positiven Riss, nur deine Spannweite geht sich um 10 cm nicht aus... klar gibt's noch Griffe dazwischen aber sind wir doch ehrlich, wir wollen doch alle möglichst wenig Griffe halten, wenn's anders auch geht. Ich hab dann eine sehr sehr wackelige Lösung gefunden. Meinen linken Fuß konnte ich schon in den Riss stellen jetzt musste ich nur noch diese 10 cm rausholen und das machte ich durch eine schnelle Gewichtsverlagerung, bei dem sich die rechte Hand komplett vom Griff löste und ich schnell mit der linken Hand hinüber zum Riss wechselte. Für diesen einen Zug musst man am Ende der ganzen Route die ganze vorhandene Körperspannung einsetzen. Nicht so leicht ich schaffte es trotzdem in der Wand zu bleiben! Das Gefühl als ich den Top Hacken klickte war, wie es der ein oder andere Kletterer kennt, incredible!

 

"Drei Siebe"(8b) Bürs/Vorarlberg
"Drei Siebe"(8b) Bürs/Vorarlberg

=Erntezeit=

Meine erste 8c! Die Route war für mich bis zu diesem besagten Wochenende unmöglich. Ich konnte beide Schlüsselstellen nicht ansatzweise klettern die anderen Züge nutzte ich  ab und zu als Maxprojekt. Was ich so spanned finde am Felsklettern, ist das Lösungen suchen. Doch wenn man in der oberen Schlüsselstelle einen sechs Meter Abstand hat und die entscheidenden Griffe nicht zu sehen sind, ist es echt schwer, auf irgendeine Lösung zu kommen. Bis zum 27. Oktober 2017 beschäftigte ich mich nicht wirklich mit der oberen Crux, ich dachte immer ich schaff sie eh nie. Als ich die richtige Lösung bekam, ging es sehr schnell. Als ich am dritten Tag das erste mal über die untere Knieklemmer-Crux kletterte wurde mir klar, dass das der Durchstieg werden kann. Ich wusste ich muss bei der oberen Crux nochmal alles geben und dann circa 10 pumpige Meter bis zum Top klettern.

Der Schlüsselzug in der oberen Crux ist ein kleiner Schnapper. Das größte Problem ist, man sieht den Griff, an den man zieht, nicht! Im Durchstieg blieb ich relativ gut hängen und wusste - jetzt muss ich fokussiert und sauber die letzten Meter klettern. Ich hab's geschafft -> Bin richtig stolz die Route geklettert zu haben.